Visionen für Freiburg

Der BDA Freiburg lädt mit einem Ideenpapier zum Gespräch ein Freiburger Architekten vom Bund Deutscher Architekten (Vorsitz Detlef Sacker) haben sich Gedanken zur qualitätsvollen Stadtentwicklung gemacht. In zwei moderierten Workshops unter Mitwirkung von Landschaftsarchitekten, Soziologen und Künstlern von Freiburg wurden Visionen und konkrete Projektideen entwickelt, die in weiteren Arbeitsgruppen und Diskussionsabenden vertieft und in folgendem Ideenpapier zusammengefasst wurden.


Der BDA Freiburg lädt mit einem Ideenpapier zum Gespräch ein


Freiburg ist besonders. Freiburg ist Kultur und Freizeit, Wissen und Lernen.
Freiburg ist Stadt. Und Landschaft. Und die Stadt der kurzen Wege.
Freiburg ist grün - eine Stadt ökologischer Ideen.

Doch Freiburg kommt ins Stocken!

Denn Freiburg ist eine Wohlfühlstadt, die auch zur Selbstgefälligkeit neigt. Freiburg war Impulsgeber für eine besondere Qualität der Stadtentwicklung und war Vorreiter in ökologischen Stadtfragen. Wo ist dieser kreative Geist geblieben?

Freiburg neigt zu Puppenstubendenken und badischen Lösungen des kleinsten gemeinsamen Nenners. Wir vermissen eine konstruktive Streitkultur.
Als Architekten wünschen wir uns mehr Raum. Freiraum!
Freiraum für neue Ideen. Freiraum für Verschiedenheit, für Unterschiedlichkeit.

Themen von morgen verlangen schon heute nach Lösungen: der demografische Wandel in der Gesellschaft, der technologische Wandel in der Arbeitswelt, ökologische Zukunftsfragen, das soziale Auseinanderdriften einer Stadt - all diese Themen sind nicht neu, und doch fehlen in Freiburg die visionären Antworten darauf.

Wir möchten an die Potenziale von Freiburg anknüpfen und Visionen entwickeln. Denn ein durchdachter Städtebau, eine integrierte Stadtgestaltung und individuelle Architektur schaffen zusammen den Rahmen für eine lebenswerte Stadt.

Mit unserem Ideenpapier wollen wir Freiburger Architekten Denk- und Handlungsfenster öffnen. Und mit anpacken für eine tragfähige Zukunft von Freiburg und der Region.

1. Freiburg wächst mit Qualität

Freiburg wächst, weil es Standortvorteile bietet. Ein nachhaltiges Wachstum muss das Ziel haben, die vorhandene Infrastruktur optimal auszunutzen. Bei abnehmender Dichte gehen jedoch vorhandene Infrastrukturen wie Stadtbahn, Kindergärten, Schulen, kleine Ladengeschäfte und Gaststätten verloren oder werden unwirtschaftlich. Deshalb sind besonders die Gebiete, die von öffentlichen Verkehrsmitteln gut erschlossen sind, ohne Tabu auf mögliche Nachverdichtung zu prüfen. Dies gilt zum Beispiel für
- eine Bebauung des südorientierten Bergwaldes in Günterstal mit Passivhäusern
- eine Erweiterung des Rieselfeldes mit höchstem ökologischen Anspruch
Die Erweiterungen müssen Leitbildfunktion für die Zukunft haben.

2. Freiburg wird eine Null-Emmissions-Stadt

Das künftige Ziel muss visionäre Kraft haben: Freiburg soll Null-Emmisions-Stadt werden. Dazu braucht es ein Konzept für Energie- und Stoffstrommanagement, das Wohnen, Arbeiten, Versorgung und Verkehr berücksichtigt. Wir schlagen vor, hierfür in einem Stufenkonzept verbindliche Vorgaben zu entwickeln. Als ersten Schritt schlagen wir modellhafte Sanierungsprojekte im Passivhausstandard vor.

3. Freiburg wird eine soziale Stadt

Ziel für Freiburg ist es, eine Stadt des sozialen Friedens zu sein, die das Zusammenleben aller Bevölkerungsteile nachhaltig sichert. Eine Stadt, die man sich auch in Zukunft noch leisten kann.
Eine ausgeprägte Monostruktur an Miet- und Sozialwohnungen verhindert die Identifikation mit dem eigenen Stadtteil. Deshalb plädieren wir für die Förderung
- des Erwerbs von kostengünstigem Eigentum im eigenen Quartier
- von Baugemeinschaften und Genossenschaften

4. Freiburg baut den visionären Stadtteil Güterbahnareal

Reine Wohn- und Gewerbegebiete verhindern Vielfalt und verursachen weite Wege. Arbeiten, Wohnen und Kultur in einem Stadtteil ermöglichen hingegen eine lebendige Kommunikation. Wir plädieren für neue Gebietsausweisungen und Bauformen. Das Güterbahnareal eignet sich in hervorragender Weise als innovativer Modellstadtteil Arbeiten - Wohnen - Kultur - Wissenschaft.
Wir Freiburger Architekten wünschen uns einen hochwertigen und lebendigen Stadtteil mit modernen Technologie- und Dienstleistungsunternehmen, wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen, mit neuen Wohnformen, Kinderbetreuung, Gastronomie und Raum für experimentelle Kultur.

5. Freiburg bindet den Dreisam-Boulevard an den Schlossberg

Freiburg ist zerschnitten durch die vierspurige B 31. Der geplante Stadttunnel wird die Stadt von Durchgangsverkehr entlasten und bietet enorme städtebauliche Chancen. Der verbleibende Verkehr sollte auf der Seite der Wiehre konzentriert werden. Am stadtseitigen Dreisamufer wünschen wir uns einen großzügigen autofreien Boulevard. Mit kulturellen Einrichtungen, hochwertigen Läden und Gastronomie rückt Freiburgs Innenstadt so an die Dreisam heran.
Der gesamte Bereich um Schwabentor-, Greiffenegg- und Schlossbergring ist aufgrund der Verkehrsbelastung städtebaulich unbefriedigend. Eine attraktive Verbindung zwischen Stadt und Schlossberg sowie zwischen den Naturräumen von Dreisam und Schlossberg fehlt.
Für die Gestaltung des Dreisamuferbereichs über die Schlossbergnase bis zum Schlossberg schlagen wir einen großen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb vor. Diese Planung könnte im Rahmen einer Bundes- oder Landesgartenschau umgesetzt werden.

6. Freiburg formt aus Straßen Stadträume

Straßen sind mehr als bloße Verkehrswege, denn sie prägen den öffentlichen Raum. Sie sind Stadträume. Wir fordern, dass sie verstärkt unter stadträumlichen Gesichtspunkten entwickelt werden. Verpasste Chancen lassen sich zum Beispiel an der Basler Straße ablesen, denn sie wurde rein verkehrstechnisch geplant mit der Orientierung an Zuschüssen.

7. Freiburg wird Teil der trinationalen Metropolregion

Ein wichtiges Wachstumspotenzial Freiburgs liegt in der Vernetzung mit den Nachbarstädten Basel, Mulhouse und Colmar. Alle vier Städte sind mit ihren unterschiedlichen Qualitäten eine Bereicherung füreinander: Basel ist ein wirtschaftlicher Magnet und eine Kulturstadt mit weltweiter Ausstrahlung. Mulhouse bietet eine mulikulturelle Gesellschaft. Colmar steht für das Elsass. Und Freiburg selbst zeichnet sich durch eine exzellente Universität und seine ökologische Vorbildfunktion aus. Damit die vier Städte näher aneinander rücken, ist eine intensive Vernetzung des öffentlichen Verkehrs nötig. Wünschenswert wäre eine direkte Ringverbindung der Städte untereinander sowie eine sternförmige Verbindung zum zentralen Knotenpunkt, dem Flughafen Basel-Mulhouse-Freiburg. Die Orte entlang der Bahnlinien sollten gestärkt und die weitere Zersiedlung der "Zwischenräume" sollte vermieden werden. Ebenso wichtig ist eine regionale Koordination bei der Entwicklung von verdichteten Gewerbe- und Industrieflächen.

8. Freiburg beteiligt sich an IBA Basel - Mulhouse - Freiburg 2020

"Die trinationale Stadtregion Basel will das Modell einer Internationalen Bauausstellung (IBA) zur Umsetzung qualitativ hochwertiger Projekte nutzen mit dem Ziel, das Wachstum der Region nachhaltig zu steuern, das grenzüberschreitende Engagement zu festigen und die Sichtbarkeit der Region nach Innen und Außen zu erhöhen" (Leitidee IBA Basel 2020). Wir schlagen vor, dass Freiburg sich an der geplanten Internationalen Bauausstellung beteiligt. Alle von uns vorgeschlagenen Projektideen können Teil dieser IBA sein.

9. Freiburg schafft Planungsqualität

Freiburg zehrt heute von der hohen Planungsqualität in der Vergangenheit. Um diese auch zukünftig zu gewährleisten, fordern die Freiburger Architekten ein eigenständiges Bau- und Umweltdezernat, einen mit überregional anerkannten externen Persönlichkeiten besetzten Gestaltungsbeirat und eine aktive Liegenschaftspolitik der Stadt.


BDA
Bund Deutscher Architekten
Kreisgruppe Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald
www.bda-bawue.de/freiburg-breisgau/
im Juni 2008

Detlef Sacker (Vorsitz)
Oltmannsstraße 3
79100 Freiburg
Tel. (0761)707709-0
sacker@sacker.de

> PDF-Version "Ideenpapier Visionen für Freiburg"

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