Himmelsscheibe Nebra
Erlebniszentrum "Himmelsscheibe Nebra"
Auftraggeber/ Auslober
Naturpark Saale-Unstrut-Triasland e.V., Nebra
Lage
Wangen bei Nebra, Sachsen-Anhalt
Preis
EU-weiter Architektenwettbewerb, 1. Preis
Veröffentlichungen
- wettbewerbe aktuell 3/2005
- Architektur + Wettbewerbe 6/2005
- Bauwelt 10/2005
- Frankfurter Allgemeine Zeitung 23.05.2005
Architekt
Detlef Sacker, Freier Architekt und Stadtplaner BDA
Fachplaner
Tragwerksplanung: Mohnke Bauingenieure, Denzlingen
Energiekonzeption: Dr. Wilhelm Stahl, Freiburg
Museum und Erlebniszentrum Himmelsscheibe von Nebra
Wettbewerb, 1. Preis
Die Entdeckung der Himmelsscheibe von Nebra gilt als der spektakulärste archäologische Fund der vergangenen 10 Jahre im östlichen Deutschland. Von Raubgräbern entdeckt und zunächst verschiedenen Antiquitätenhändler angeboten, gelangte die Himmelsscheibe schließlich in den Besitz des Museums für Vor- und Frühgeschichte Halle.
Im Jahr 2004 entschloss sich das Land Sachsen-Anhalt, am Fundort in Nebra ein eigenes frühgeschichtliches Museum zu errichten, in dessen Mittelpunkt die schildförmige Bronzescheibe steht. Obwohl die ursprüngliche Bedeutung der Scheibe noch immer nicht restlos geklärt sind, deutet die kunstvolle Darstellung von Gestirne auf ihrer Vorderseite auf einen astronomischen Zweck hin.
Mit der bronzezeitlichen Bestimmung der Scheibe sowie ihrer neuzeitlichen Erforschung verbinden sich zwei sehr gegensätzliche Wissenschaften - die Astronomie, der Blick nach Oben und die Archäologie, der Blick nach Unten. Dieses Gegensatzpaar wurde zum Ausgangspunkt unseres architektonischen Konzeptes: Erschließungswege und Innenräume besitzen - in Bezugnahme auf Himmel und Erde - eine ausgesprochene Vertikalbetonung. Dabei war es unser Ziel, möglichst minimale Eingriffe in die Landschaft des Unstruttals mit maximaler Signifikanz der Architektur zu verbinden. Die Erscheinung des Gebäudes in der Landschaft beschränkt sich auf drei Elemente: Erschließungsrampe, Tiefhof und Ausstellungsturm.
Wird der Zugang zunächst in das Terrain eingeschnitten und in das nur sparsam ausgeleuchtete Sockelgeschoss geleitet, so befinden sich die eigentlichen Ausstellungsbereiche in den zunehmend helleren Obergeschosse und schließlich auf der Dachterrasse.
Im Tiefhof, umgeben von Erdschichten, erlebt der Besucher den Ausstellungskomplex als ein in Streiflicht getauchten Steinkubus. Talwärts öffnet sich der Tiefhof über Cafe und Foyer und gewährt einen Panoramablick ins Unstruttal.
Der Weg führt weiter in einen archaisch anmutenden, steinernen Ausstellungsturm. Man erklimmt das Gebäude stets in Richtung des Mittelbergs, des Lichts und des Himmels. Von Geschoss zu Geschoss öffnet sich die Fassade weiter, und gibt, begünstigt durch eine dynamische Verdrehung des Baukörpers, einen immer weiteren Rundblick in die Landschaft frei. Die sorgfältig geschichteten Quader des anstehenden Buntsandsteins prägen die Fassaden und bewirkt einen unmittelbaren, sinnlichen Ortsbezug, einen angenehmen Eindruck von Leichtigkeit und Transparenz.
Die Architektur des in sich schlüssigen und signifikanten Gebäudes tritt dabei in keinerlei störende Konkurrenz zum Ausstellungsinhalt. Ausdrucksvoll wird der Weg durch das Gebäude inszeniert, dennoch gelang es außen wie innen eine angemessene Synthese zwischen der Werbewirksamkeit eines musealen Erlebnis- und Informationscenters und dem Naturraum des Unstruttals herzustellen.
Pressemitteilung des Auslobers vom 16. Januar 2005
Der internationale Architekturwettbewerb "Touristische Erschließung Himmelsscheibe von Nebra" wurde unter dem Vorsitz von Prof. Carl Fingerhuth, Zürich, auf der Preisgerichtssitzung vom 14.01.2005 entschieden. Unter den 31 Arbeiten, welche durchwegs von hoher Qualität waren, wurden 5 hervorragende Beiträge mit drei Preisen und zwei Sonderpreisen ausgezeichnet:
Der erste Preis wurde von dem Freiburger Architekturbüro Detlef Sacker mit einem bestechend subtilen Entwurf gewonnen, der einen auf Fernsicht und Zeichenhaftigkeit in der großräumigen Unstrut-Landschaft angelegten erratischen Kubus von über 20 m Höhe für das Erlebniscenter vorschlägt. Bei Näherung erweist sich dieses Turmbauwerk jedoch als äußerst strukturiert und feingliedrig. Eine kunstvolle Schichtung aus Maßsteinen des anstehenden Buntsandsteins prägt die Fassaden und bewirkt einen unmittelbaren, sinnlichen Ortbezug; die in der Höhenschichtung zunehmenden Öffnungsanteile vermitteln, verstärkt durch eine angedeutete Verdrehung, einen angenehmen Eindruck von Leichtigkeit und Transparenz. Der Betonung der Vertikalität - in thematischer Bezugnahme auf Erde und Himmel resp. Archäologie und Astronomie - folgt auch die Erschließungs- und innenräumliche Konzeption: Wird die Zuwegung zunächst in das Terrain eingeschnitten und in das nur knapp ausgeleuchtete Sockelgeschoss geleitet, führen die eigentlichen Ausstellungsbereiche in die zunehmend helleren Obergeschosse und schließlich auf die Dachterrasse, welche den ungestörten Freiblick zum Fundort Mittelberg und in das Unstrut-Tal bietet. Zugeordnete Bereiche wie das Cafe, die Büro- und Lagerbereiche befinden sich in einem dem Turm winkelförmig angefügten, eingeschossigen Flachbau, der in das Gelände eingeschnitten wird und sich nur talseitig als elegante Glasfront zeigt. Insgesamt ein hervorragender Entwurf, der in seiner thematischen und funktionalen Konzeption zu überzeugen vermag und dessen anspruchsvolle Fassadengestaltung handwerklich eine Herausforderung darstellt.
Der zweite Preis wurde dem Büro Knerer und Lang, Dresden zuerkannt, dessen Entwurf das Bauvolumen des Erlebniscenters fast minimalistisch zurücknimmt und unterirdisch als eingeschossigen Flachbau in die Topografie des Hanggeländes integriert. (...)
Der dritte Preis wurde dem Büro Holzer und Kobler, Zürich, verliehen, welches ein überaus zeichenhaftes Erlebniscenter in einer "goldenen Sichel" vorschlägt. Diese soll gleichsam über einem steinernen Sockel aus anstehendem Buntsandstein schweben und durch den verglasten Zwischenraum mit Foyer und Cafe erschlossen werden. (...)
Ein Sonderpreis wurde dem Beitrag des Büros Bolles+Wilson, Münster, zuerkannt, welcher eine freie, überwiegend aufgeständerte Gebäudeplastik als Erlebniscenter vorschlägt. Die in Grund- und Aufriss mehrfach geknickte und gefaltete Gebäudehülle aus braunoxidiertem Cor-Ten-Stahl beinhaltet auf einer Ebene alle Ausstellungsbereiche und Nebenfunktionen in sehr funktionaler Zuordnung. (...)
Ein weiterer Sonderpreis wurde dem Beitrag des Büros ARU + Neutral, London, verliehen, welches ein ungemein beeindruckendes und in der thematischen Schärfe wohl einmaliges Projekt vorgelegt hat. (...)